Sie hat einen Job bei einem renommierten Modemagazin geschmissen, um den sie Tausende Frauen beneiden - um sich in Paris mit einem Online-Shop für Biscuits selbstständig zu machen. Chi-Young Bang kreiert erfolgreich Kekse, die wie kleine Kunstwerke aussehen. Ihren Traum zu leben - dazu haben sie erst zwei harte Schicksalsschläge motiviert..

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MYBESTBRANDS: Was waren entscheidende Wendepunkte in Ihrem Leben?

Chi-Young Bang: Eine Freundin ist an Krebs erkrankt. Sie hat mir gezeigt, dass es wirklich wichtig ist, jeden Tag zu leben, als wäre es dein letzter. Durch sie bin ich mutiger geworden. Man lässt sich durch Ängste und auch durch die Gesellschaft von vielen Dingen abhalten. Natürlich hat das auch viel mit Zufalls- und Glücksmomenten zu tun, aber ich habe gelernt, die Angst zu vergessen und das zu machen, was mir Spaß macht.

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Living

Viele junge Frauen würden gerne bei einem Modemagazin als Redakteurin arbeiten. Sie haben der „Glamour“ nach 14 Jahren den Rücken gekehrt. Warum bloß gibt man so einen vermeintlichen Traumjob auf?

Ich habe das nicht von heute auf morgen entschieden. Irgendwie war die Luft raus und ich war nicht mehr motiviert. Dann bot sich mir die Möglichkeit, ein Sabbatical zu machen und für sechs Monate nach Paris zu gehen. Ich habe die Mode bewusst etwas beiseite geschoben und mir ist klar geworden: Das ist nicht mehr das, was ich machen möchte.

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Sie haben sich kurz vor Ihrem Umzug nach Paris scheiden lassen. Hat Ihre Trennung bei Ihrer Entscheidung eine Rolle gespielt?

Ja. auf jeden Fall! Rückblickend hätte ich diesen Schritt sonst nie gewagt. Aber nach der Scheidung gab es einen Punkt, an dem ich mir gedacht habe: Schlimmer kann es nicht mehr werden, also erst mal raus hier! Ohne Trennung hätte ich mich das wahrscheinlich nicht getraut.

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Sind Sie jetzt angekommen in Ihrem Leben? Oder haben Sie manchmal noch Angst und fühlen sich einsam?

Der Weg ist geebnet, aber angekommen bin ich noch nicht. Denn Angekommen bedeutet für mich, sein erstes erfolgreiches Unternehmen aufgebaut zu haben und mit diesem eine Art Routine entwickelt zu haben. Ich bin auf einem guten Weg, aber es dauert noch. Mich hat neulich jemand gefragt, wo für mich Heimat sei. Ich fühle mich in beiden Städten wohl, aber zu Hause ist da, wo man Menschen hat die man liebt.

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Ich habe gelernt, die Angst zu vergessen und das zu machen, was mir Spaß macht

Warum unbedingt Paris – hätten es nicht auch London oder New York sein können?

Natürlich, aber Paris hat mich seit dem ersten Besuch begeistert. Die Architektur, das Stadtbild und die Einstellung der Pariser gefällt mir. Natürlich hat man die Impulse auch in anderen Großstädten. Aber in Frankreich spricht mich alles einfach sehr an und finde Paris sehr inspirierend.

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Warum machen Sie gerade Kekse?

In der Patisserie verbindet sich meine Liebe zu Süßem und zu Mode. Weil ich selber auch gerne backe, habe ich in Paris zwei Praktika in einer Patisserie und in einem Hotel gemacht und die Technik gelernt. Die Kunstwerke, die daraus entstanden sind, waren so toll! Da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, wie in der Mode auch. Aber ein Café zu eröffnen, kam für mich nicht in Frage, die Konkurrenz ist viel zu groß. Als ich ein weiteres Praktikum in einem Schmuckatelier gemacht habe, ist danach die Idee von den Keksen entstanden, die an eine Brosche erinnern soll.

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Woher holen Sie Ihre Designideen?

Ich lasse mich immer von den Fashionshows inspirieren. Somit entwerfe auch ich zwei Kollektionen im Frühjahr und im Herbst. Die Motive hole ich mir von den großen Designern und probiere Verschiedenes aus.

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Chi-Young BangChi-Young Bang

Fashion

Wie gehen Sie morgens beim Anziehen vor?

Sehr spontan. Ich lege mir nichts raus, sondern schaue wie meine Laune und das Wetter sind.

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Welchen Teil Ihrer täglichen Routinen genießen Sie am meisten?

Ich mache jeden Tag Sport. Das ist mein persönlicher Luxus, weil ich jetzt selbstständig bin. So starte ich energiegeladen in den Tag.

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Welche Macke oder welchen Tick haben Sie?

Ich bin ein Kontrollfreak, ich bin perfektionistisch und kontrolliere alles gerne gegen. Darum gebe ich auch ungern Arbeit ab, wodurch ich mir aber bestimmt manchmal etwas Arbeit abnehmen lassen könnte.

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Welche drei Emojis hast du zuletzt verschickt?

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Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

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Welche Dinge würden Sie nicht mal Ihrer besten Freundin leihen?

Meine Chanel-Tasche, da hänge ich sehr daran. Meinen Ring, den ich mir extra habe anfertigen lassen. Aber ansonsten würde ich alles mit ihr teilen. Ich bin da nicht so, es sind ja nur materialistische Sachen.

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Was hat es mit diesen beiden Teilen auf sich?

Ich fand die Tasche von Chanel als Klassiker immer die Schönste. Die wollte ich immer gerne haben! Irgendwann habe ich mir gesagt: So, jetzt muss es eine sein. Größter ideeller Wert hat der Ring, den ich von Cada habe anfertigen lassen. Natürlich ist eine Tasche schön und man hat ein It-Piece, aber der Ring ist etwas Persönliches und für immer.

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Was würden Sie nie tragen?

Neonfarben und ich mag kein Orange, Lila und Braun.

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In welcher Situation haben Sie sich schon mal in Grund und Boden geschämt?

Da gibt es eigentlich keine Situation. Mir ist nichts so wirklich peinlich.

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Dürfen andere Menschen Ihren Kleiderschrank durchwühlen?

Freunde ja, Fremde natürlich nicht.

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Gibt es ein Kleidungsstück, das all Ihren Mut erfordert hat, es zu tragen?

Nein, sonst hätte ich es angezogen. Eigentlich weiß ich inzwischen gut was mir steht und was nicht.

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Was war die erste größere Anschaffung, in die Sie investiert haben?

Das war eine Tasche von Chanel.

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Lifestory-Session geführt von Felix Rubach, Mitgründer von MYBESTBRANDS

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