Er ist einer der Erben der berühmten C&A-Dynastie: Alexander Brenninkmeijer hat MYBESTBRANDS erzählt, warum er sich früh aus dem Familienunternehmen zurückgezogen und warum ihn eine ganz bestimmte Reise so verändert hat.

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MYBESTBRANDS: Welche Momente haben Sie in Ihrem Leben am meisten geprägt?

Alexander Brenninkmeijer: Es gibt Momente, in denen Menschen etwas sagen, das mich zum Nachdenken bringt. Als Kind wurde während einer Predigt gefragt, wie weit denn das menschliche Auge sehen kann. Die Antwort war eine sehr schöne: Man könne, wenn man in den Sternenhimmel schaut, 2,5 Millionen Lichtjahre weit sehen. Diese unvorstellbare Weite, die mysteriöse Ewigkeit hat mich Respekt vor dem Leben gelehrt. Denn es gibt so vieles, das wir noch nicht wissen und kennen.

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Gab es noch einen weiteren Moment?

Mit 28 Jahren habe ich eine Weltreise gemacht. Wo ich früher in Bombay oder Delhi in 5-Sterne-Hotels eingecheckt habe, war ich jetzt als Backpacker unterwegs. In diesem Jahr gab es verschiedene einschlägige Momente: Zum Beispiel haben wir im indischen Himalaya auf 1.400 Meter einer Frau das Leben gerettet, das war sehr ergreifend. 48 Stunden haben wir uns gekümmert, bis der Helikopter kam. Nachts, da hatte es minus 34 Grad. Eines Tages stand ich auch in Indonesien vor dem riesen Rauchpilz des Vulkanausbruchs von Merati.

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Wie haben Sie reagiert?

Ich hatte totale Panik, kein Handy und meine Eltern haben sich große Sorgen gemacht. Mein Vater hat sogar versucht über meine Kreditkartentransaktionen herauszubekommen wo ich mich aufhalte und wie es mir geht. Das habe ich aber gar nicht so realisiert und habe mich erst nach drei Tagen gemeldet. Die Reise hat mich sicherlich verändert.

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Sie sind kurz vor Ihrer Weltreise aus dem Familienunternehmen C&A ausgestiegen – wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie diesen Schritt gehen wollen?

Einfach nur eine laufende Sache zu managen, ist gar nicht mein Ding. Schon bevor ich überhaupt mein Abi machte, mit etwa 17 Jahren, wusste ich das. Da hat mein Vater sich schon Sorgen gemacht, weil er von meiner Tante gehört hatte, dass ich gar nicht in die Firma will. Er hätte mich niemals gezwungen in die Firma zu gehen, er fand die Tatsache nur interessant. Zehn Jahre später, als ich dann wirklich aus der Firma ausgestiegen bin, hat er es gar nicht verstanden, warum ich denn da rausgehe.

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War Ihr Vater sehr verstimmt?

Später hat er es wahnsinnig interessant gefunden, was ich nach dem Ausstieg gemacht habe. Meine Weltreise hat er ganz intensiv von zu Hause aus verfolgt. Ich hab das erst richtig gemerkt, als ich wieder zurückkam: Mein Vater hatte einen ganzen Bücherschrank voll mit Büchern von den Ländern, in denen ich überall gewesen war. Er ist quasi mitgereist.

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Auch nach der Rückkehr haben Sie Ihr eigenes Ding gemacht und mit „Clemens en August“ ein eigenes Modelabel gegründet.

Nach München zu kommen und mir dieses neue Leben aufzubauen, hat mich sehr verändert. Ich habe mich von den Konventionen gelöst, die wir bei uns in der Familie pflegen. Aber gegenüber meiner Familie bin ich kein anderer Mensch geworden. Ich bin der geblieben, der ich immer schon war.

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Ihre Lebensstationen in fünf Worten?

Kindheit, Familie, feste Freundschaften, die man bis jetzt noch hat, die erste Berufserfahrung und sich im Berufsleben halbwegs zurechtzufinden, die Partnerin und Frau, sich wirklich für diese zu engagieren und als letztes Vater werden und Familie.

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Die beste Stunde des Tages?

Abendbrot mit der Familie.

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Was machen Sie, wenn Ihnen jemand auf die Nerven geht?

(Nachdenklich) Dann werde ich immer stiller, immer stiller bis es nicht mehr geht.

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Was ist aktuell Ihr Lieblingswort?

„Jo Oider“, und zwar wegen meines Sohnes, der kann eigentlich nur noch so reden. Der ist gerade in dieser Phase ...

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Was ist Ihre Lieblingstugend?

Ich habe bestimmt ein Haufen anderer Tugenden, aber die liebste ist mir, dass ich durchaus freundlich sein kann.

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Alexander Brenninkmeijer
Wie entspannen Sie am besten?

Ich gehe mit dem Dackel eine Runde spazieren oder mit jemandem joggen.

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Was ist die größte Errungenschaft in Ihrem Leben?

Dass man für einen oder mehrere Menschen irgendetwas bedeutet hat.

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Woran arbeiten Sie gerade?

Erfolgreich zu werden.

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Welche drei Emojis haben Sie zuletzt verschickt?

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Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?

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Welche Extravaganz rundet Ihre Garderobe ab?

Ich würde sagen, das ist meine Rolex. Das ist ein ganz kleines schlichtes Exemplar in Schwarz, ohne Datum, mit schwarzem Ziffernblatt und schwarzem Lederband.

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Erinnern Sie sich an eine Zeit in Ihrem Leben, in der sie sich anders gekleidet haben als heute?

Bevor ich nach München gekommen bin, bin ich relativ konservativ aufgewachsen, auch als Student war ich immer noch so geprägt. Erst in München habe ich eine Entwicklung durchgemacht und begonnen, mich für Mode und Design zu interessieren. Wenn ich Fotos von früher sehe, muss ich schon manchmal schmunzeln. Im Prozess des Erwachsenwerdens war mein Stil ein ganz anderer als heute.

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Wie gehen Sie morgens beim Anziehen vor?

Meistens ziehe ich mich morgens sehr schnell an und das aus einer gewissen Routine heraus. Im Büro merke ich dann oft: Puh, eigentlich passt das nicht zusammen. Zum Beispiel grad heute. Meistens ist es mir egal, außer ich habe einen besonderen Termin, dann ziehe mich um. Es sind die Töne an sich, die sich beißen und deswegen interessant sind.

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Was ist Ihr Lieblingsteil?

Hosen aus der eigenen Produktion, die sind auf meine Größe geschneidert. Am liebsten mag ich eine ganz bestimmt Chino, in ihr fühle ich mich besonders wohl, weil sie tailliert ist und super sitzt.

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Was ist für Sie ein absolutes Styling-No-Go?

Ich würde mir niemals eine Brille ins Haar stecken, das finde ich so unmännlich. Ich finde, egal ob Nickelbrille, Hornbrille oder Sonnenbrille: Es sieht einfach immer ein wenig dämlich aus.

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Lifestory-Session geführt von Felix Rubach, Mitgründer von MYBESTBRANDS

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