Diesen illustrierten Charakter kennt jeder: Die Münchnerin Jasmin Khezri hat mit ihrer Figur Irma eine weltbekannte Trendsetterin erfunden. MYBESTBRANDS hat Jasmin Khezri erzählt, welcher Mensch sie in ihrem Leben am meisten beeinflusst hat und welches Kleidungsstück sie nie tragen würde.

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MYBESTBRANDS: In Deutschland, England und Frankreich aufgewachsen, in Paris und L.A. studiert – fühlen Sie sich da überhaupt irgendwo heimisch?

Jasmin Khezri: Ich würde Heimat nicht als einen einzelnen Ort bezeichnen, sondern Heimat sind für mich verschiedene Orte und verschiedene Aspekte dieser Orte. Ich habe in mehreren Städten und Ländern gelebt, deshalb fühle ich mich überall dort heimisch. Etwas, das mir jedoch gar nicht bewusst ist, ist Teheran. Da möchte ich unbedingt hin, weil ich mir gut vorstellen kann, dass ich mich da auch heimisch fühle. Dort war ich zuletzt als Baby.

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Könnten Sie sich vorstellen, wieder aus München wegzugehen?

Im Moment ist München mein Lebensmittelpunkt, aber ich könnte morgen meine Koffer packen und woanders leben. Ich habe das in mir, ich werde schon nervös, wenn ich drei Wochen am Stück hier in München bin. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich wieder nach Paris ziehen. Oder London. Wenn ich alt bin, kann ich mir gut vorstellen in New York zu sein, denn da kann man noch so viel erleben.

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Ihre Großmutter ist Ihr großes Vorbild – warum?

Meine Großmutter Irma hat den Zweiten Weltkrieges erlebt, eine sehr bewegte Zeit. Sie war nach dem Krieg eine der ersten Einkäuferinnen im Hause Peek & Cloppenburg. Sie mochte Mode und hatte Geschmack, so kam es, dass sie die Kleider- und Kostümabteilung leiten durfte. In den 40er oder 50er Jahren ist sie oft nach Berlin geflogen und hat sich dort um die Entwicklung und Produktion der Kleidung gekümmert, die dann bei Peek & Cloppenburg verkauft wurde.

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Das klingt nach einer sehr faszinierenden Frau.

Vor allem hat mich an ihr fasziniert, dass sie aus allen Situationen etwas Positives herauszog. Einmal waren wir im Urlaub am Meer und es hat geregnet, da hat sie gesagt „Da hinten kommt die Sonne, ich seh’s, da hinten kommt sie“. Sie war sehr inspirierend, hatte einen schrägen Stil, hat Dinge gesammelt, die früher sonst keiner gesammelt hat. Zum Beispiel Plastiken, also Skulpturen, afrikanische Kunst. Und sie war die Muse meines Großvaters Carl Vilz, der Bildhauer war. Außerdem hat sie Kostüme von Chanel, Saint Laurent und Nina Ricci gesammelt und getragen. Die hatte sie sogar zu Hause an, wenn ich sie nach der Schule besucht habe. Sie fand immer toll, was ich mache, auch wenn sie von „Relaunch eines Magazins“, dem Internet und all dem nicht so viel verstanden hat. Es ist sehr schade, dass sie die Entstehung von Irma nicht mehr mitbekommen hat, denn sie hat der Figur ja den Namen gegeben.

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Sie haben schon sehr jung als Art Directorin gearbeitet und viele Preise gewonnen – hat ihre Familie Sie zu dieser zielstrebigen jungen Frau erzogen?

Mein Vater ist sehr modern und hat in Deutschland studiert, aber er ist Perser. Das heißt, mein Bruder, ein intelligenter und unternehmerischer Typ, war derjenige der als erstes gefördert wurde. Und ich war mehr im Hintergrund, habe in einer Traumwelt gelebt und mein Weg lief nicht wirklich gradlinig. Meine Eltern fanden zwar toll, dass ich kreativ war, aber es war nie so, dass sie dachten „auf die setzen wir, die macht mal Karriere".

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Wann hat sich das geändert?

Als ich in England auf einem Internat auf dem Land war, hat mich eine Lehrerin sehr gefördert und mich bestärkt, Grafikdesign an der Parson School for Design in Paris zu studieren. Sie war mitunter ein Glücksbringer, hat mich auf meinem Weg geleitet. Und dann haben auch meine Eltern gesehen, dass Kunst der richtige Weg für mich ist und dass es sich lohnt, darin zu investieren. Jetzt versuche ich meine Kinder so zu erziehen, dass ich ihnen zwar einen Weg vorlebe, aber dass sie letztendlich ihren eigenen Weg finden müssen und ihre eigenen Entscheidungen fällen müssen.

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Für viele Menschen verkörpern Sie die von Ihnen geschaffene Figur, die illustrierte Stil-Ikone Irma. Wie groß ist die Ähnlichkeit zwischen Irma und Ihnen?

Zum Teil lebe ich das Leben, das ich durch Irma darstelle. Aber da spielt auch viel Fantasie mit, manchmal geht die Fantasie auch mit mir durch. Ich wünsche mir etwas und erlebe das dann durch Irma. Das ist sogar die Initialidee von Irma gewesen: Dass man Dinge in eine Figur produziert, hineinprojiziert, die man selber gerne erleben würde oder gerne hätte. Manchmal verstecke ich mich auch ein bisschen hinter Irma, denn im Grunde bin ich ein scheuer Mensch, der lieber im Hintergrund bleibt, aber durch den jetzigen Job muss ich viel öffentlich arbeiten und reden. Dadurch, dass ich Irma geschaffen habe, und es gibt Tage, wo ich mich einfach nicht danach fühle, kann ich immer die Irma nach draußen schicken.

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Was haben Sie in Ihrem Leben gelernt, das Sie Ihren Kindern unbedingt mitgeben wollen?

Ehrlichkeit, vor allem mit sich selbst. Und immer alles machen, nie Angst vor etwas haben und es einfach tun. Und nicht zu lange überlegen. Ich habe die Erfahrung gemacht, je mehr ich mir über gewisse Dinge Gedanken mache, umso weniger mache ich es und desto schlechter wird es. Wenn ich aber etwas ganz schnell entscheide, wird es meistens gut. Zum Beispiel morgens beim Anziehen, wenn ich mir zu viele Gedanken mache und besonders schön aussehen will für ein Meeting, wird es meistens nichts. Das Tolle am Älterwerden ist ja auch, dass man weiß, wie man Menschen entgegentritt. Seinen Kindern sollte man mitgeben: „Tu es einfach!“ So meistere ich meine kreative Arbeit, ich denke mir „jetzt schaue ich mal was da ist, und dann, was ich daraus mache.“ Wenn man Spaß an der Sache hat, wird es auch gut.

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Jasmin Khezri
Was waren entscheidende Momente in Ihrem Leben?

Ein entscheidender Moment war sicherlich, mit 15 Jahren alleine nach England zu ziehen. Sich mit einer neuen Sprache, der Mentalität und einem System auseinanderzusetzen war sehr prägend. Das Gleiche dann mit Los Angeles. Das war für mich natürlich nochmal etwas Anderes, sich so weit weg ein Leben und vor allem auch ein Leben als Künstler aufzubauen.

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Gab es noch mehr solcher Momente?

Die Geburt meiner Kinder, die mich raus aus dem professionellen Lebensstil geführt hat, schließlich habe ich vorher immer nur gearbeitet. Ich hatte endlich auch mal Zeit zu reflek-tieren, was ich wirklich will. Ich wollte nicht mehr Art Directorin bei einem Magazin sein, denn da konnte ich gar nichts bewirken. Dann habe ich begonnen Illustrationen zu zeichnen und mein eigenes Web-Magazin, Irmasworld.com, und danach mein Unternehmen IRMAS WORLD zu gründen. Das hat alles auch seine Zeit gebraucht hat, bis es sich tragen konnte. Eigentlich hatte ich jedes Jahr Erlebnisse, die prägend waren und mein Leben beeinflussen. Es kommt immer wieder etwas Neues hinzu.

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Was inspiriert Sie?

So vieles! Menschen, Orte, Bilder… Es gibt Tage, da kann ich überhaupt nicht schlafen, weil ich alles abends nochmal reflektieren muss, was ich alles gesehen oder gehört habe. Satzfragmente von Menschen, die etwas gesagt haben, dass mich weiter beschäftigt. Das inspiriert mich sehr, ich verbringe viel Zeit damit, alles in kleine Schubladen in meinen Kopf zu sortieren, was ich so alles erlebe. Die schönste Inspiration ist für mich immer noch die Natur. Die Bewegung, der Geruch der Natur, das ist all das woraus ich nicht nur Inspiration, sondern auch Kraft, rausziehe. Kraft und Inspiration liegen für mich sehr nah beieinander.

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Welche drei Emojis haben Sie zuletzt verschickt?

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Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?

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Welche Macke oder welchen Tick haben Sie?

Im Gegensatz zu früher bin ich jetzt sehr detailbesessen. Früher war ich lässiger, aber heute muss eine Zeichnung 100 Prozent perfekt sein, bevor ich sie abgebe. Ich will schon kontrollieren, was passiert, eine gute Mutter sein, gutes Essen auf den Tisch bringen, kochen… Ich stelle manchmal zu hohe Ansprüche an mich selbst. Ich sollte manchmal lockerer sein, anderen Menschen noch mehr Dinge übergeben – das wäre sicherlich ab und zu besser.

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Was würden Sie nie tragen?

Ich würde alles tragen, es kommt auf die Kombination, den Ort und Anlass an. Ich könnte nicht sagen, ich würde UGG Boots nie tragen, obwohl ich sie hässlich finde. Aber wenn ich auf dem Land in meinem Haus sitze und es ist eiskalt und da würden die UGG Boots von meiner Tochter stehen, würde ich sie anziehen. Auf die Maximilianstraße würde ich damit zwar nicht gehen – obwohl, wenn ich eiskalte Füße habe, wär’s mir auch egal. Ich trage alles, aber die Frage ist wo und wie.

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In welcher Situation haben Sie sich schon mal in Grund und Boden geschämt? 

Geschämt habe ich mich das letzte Mal als Kind. Als ich vom 3-Meter-Brett gesprungen bin, ganz angeberisch einen Köpper machen wollte und meine Badehose dabei verloren habe! Ich habe sie nicht mehr gefunden und all meine Freunde standen am Beckenrand. Ich glaube, da war ich 14.

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Wer dürfte Ihren Kleiderschrank durchwühlen?

Meine Tochter oder eine gute Freundin. Aber ein Kleiderschrank ist etwas sehr Persönliches. Vor allem mein Kleiderschrank ist sehr persönlich, denn ich sammle Vintage-Kleidung, viele Stücke sind von meiner Großmutter. Meinen Schrank zu zeigen wäre schon sehr intim für mich.

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In welcher Situation waren Sie das letzte Mal unpassend gekleidet? 

Ganz aktuell auf den Filmfestspielen in Cannes. Da war ich auf einem Screening, auf dem roten Teppich im Palais und trug ein langes Kleid. Danach habe ich in diesem Kleid meine Kinder am Strand besucht. Um uns herum waren alle Leute in Bademode. Da kam ich mir natürlich ein bisschen overdressed vor. Das war unpassend gekleidet, aber ich fühlte mich nicht unwohl. Meinen Kindern war es peinlich, aber ich bin trotzdem dageblieben und später schwimmen gegangen.

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Welches Teil in Ihrem Kleiderschrank hat den größten ideellen Wert und was ist die Story dahinter? 

Mein Brautkleid, weil es meine Mutter schon getragen hat und weil es von Ted Lapidus ist. Er hat nur Haute Couture gemacht und meine Mutter hat sich das Kleid in den 70iger Jahren in Paris anfertigen lassen.

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Meine
Lieblingsmusik

Lifestory-Session geführt von Kirsten Gruel, PR-Managerin von MYBESTBRANDS

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