Er ist Everybody's Darling der Modebranche: Steffen Schaut entwirft Lieblingsteile für den Alltag und erzählt MYBESTBRANDS warum er seine Kleider als "Bügelsex" bezeichnet.

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Obwohl Sie durch den Textilbetrieb Ihrer Eltern früh mit Stoffen in Berührung kamen, haben Sie zunächst eine Ausbildung als Bankkaufmann gemacht? Wie passt das zu Ihrer offensichtlich doch ausgeprägten kreativen Ader?

Nun es war nicht wirklich meine erste Wahl, aber ich musste dem Wunsche meines Vaters (ehem. Bankdirektor) folgen. Heute bin ich hierüber sehr dankbar und würde vielen Designern wünschen, neben ihrer Kreativität auch ein Gefühl für wirtschaftliches Denken und Zahlen mitzubringen.

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Sie sind in Ihrem Leben sehr viel um die Welt gereist – gibt es einen Ort, an dem Sie sich heimisch fühlen?

Da ich diverse Städte weltweit mehrmals im Jahr bereise, habe ich mir in jeder Stadt „mein“ Hotel ausgesucht. Ich komme immer wieder zu Hause an, habe das gleiche Zimmer, kenne die Mitarbeiter… somit fühle ich mich direkt auch immer wie Zuhause.

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Warum ist das so?

Ganz besonders fühle ich mich in New York daheim. Ich habe das Gefühl, hier akzeptiert jeder jeden. Ich fühle mich im „Big Apple“ immer sicher und das Mercer Hotel ist mein Zuhause. Die meisten meiner Freunde leben hier, somit habe ich stets soziale Kontakte. Für mich ist diese Stadt die reinste Inspirtationsquelle – dank der facettenreichen Menschen.

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Sie haben ihre Kleider in einem Interview als „Bügelsex“ bezeichnet – können Sie das erklären?

Damit meine ich die Wirkung einer Kleidung auf dem Bügel – ohne Anprobe sollte es die Kundin verführen… sieht das Model „sexy auf dem Bügel aus“ möchte jede Frau es gleich anprobieren.

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Was für eine Frau haben Sie vor sich, wenn Sie designen?

Sie ist „jung im Herzen“, alterslos, modern und selbstbewusst und lässt sich keine Mode aufzwingen, sondern versteht es immer wieder Ihren Stil neu zu entdecken.

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Gibt es andere Designer, die Sie als Vorbild bezeichnen würden?

Einige - all jene, die in einer Epoche gelebt haben, in der Mode eine absolute Weltanschauung gewesen ist, z.B. Yves Saint Laurent, Christian Dior.

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Wie gehen Sie morgens beim Anziehen vor?

Absolute Tageslaune und ein Blick, wie das Wetter ist. Dabei leiste ich mir den Luxus nicht auf meinen Terminkalender zu schauen. Also auch bei einem Bankermeeting würde ich durchaus in T-Shirt und Sneaker erscheinen und bei einer Anprobe im Showroom auch schon mal in Tweedhose mit Chelsea-Boots.

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Welchen Teil Ihrer täglichen Routinen genießen Sie am meisten?

Ganz klar, ein selbstgemachtes Birchermüsli mit frischem Ingwertee und dabei den Blick vom Sofa auf die Stadt und den Rhein genießen.

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Was inspiriert Sie?

Weltweite Reisen, ein Museumsbesuch und Menschen auf der Straße.

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Welche Macke oder welchen Tick haben Sie?

Ich sammle Turnschuhe und kann einfach nicht aufhören. Viele zum Teil nie getragen, aber wahre Kultstücke.

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Was würden Sie nie tragen?

Einen Rock für Männer, dies schreit mir nach zu viel Emanzipation – Ausnahme ein Kilt auf einer schottischen Hochzeit.

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Welche drei Emojis haben Sie zuletzt verschickt?

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Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?

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Was ist Ihr Lieblingswort?

Sensationell und das in allen Sprachen. Freunde nennen mich sogar Mr. Sensational.

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In welchem Laden shoppen Sie am liebsten offline?

Alles was mein Herz begehrt... bei Just one Eye, Los Angeles und meine Blumen bei Qù j’ai grandi in Köln.

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Wann haben Sie das letzte Mal geweint?

Am Hochzeitstag meiner Eltern. Einfach wundervoll, ihre Liebe nach so vielen Ehejahren immer noch zu sehen und zu spüren.

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Wo würden Sie gerne ein Praktikum machen?

Als Kind war es der Zirkus Krone, heute würde ich eine Show des Cirque du Soleil vorziehen.

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Mode wird oft als belanglos und oberflächlich angesehen. Wann ist Mode für Sie bedeutsam?

Wenn Mode ein Zeichen seiner eigenen Persönlichkeit wird und seinen eigenen Stil verkörpert.

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In welcher Situation haben Sie sich schon mal in Grund und Boden geschämt?

Immer wieder dann, wenn ich einen Rock sehe, der nicht nur altersmäßig, sondern auch längenmäßig nicht zur Trägerin passt.

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Was war die erste größere Anschaffung, in die Sie investiert haben?

Eine Vintage Dior Reisetasche. Völlig unpraktisch, da viel zu groß und zu schwer, aber so reiste man in den Sechzigern.

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Welches Teil in Ihrem Kleiderschrank hat den größten ideellen Wert und was ist die Story dahinter?

Eine Swarowski bestickte Hose von Voyage, die trug ich an einer unvergesslichen Silvester Party 2001 in Los Angeles.

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Was sind Ihre persönlichen Key-Pieces?

Kaschmir Schal von Hérmes, Pullover von Elder Statesman, Chucks von Damien Hirst.

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