Interview mit Karoline Herr

"Mode muss nicht immer schöner machen!"

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Ganz viel Pastell, auffallende Silhouetten und extravagante Materialien. Der Stil von Bloggerin Karoline Herr ist anders und hebt sich ab vom modischen Allerlei. Mit uns hat sie sich über Mode unterhalten und erklärt, warum sie den „Ich gefalle einem Mann“-Look längst hinter sich gelassen hat.

Sie hat einen Bachelor in vergleichender Literaturwissenschaft, absolvierte eine Schneider-Hospitanz in einem Berliner Modeatelier, arbeitete als Beauty-Redakteurin bei„Elle“ und„Harper’s Bazaar“ und machte sich schließlich als Bloggerin selbständig - trotz des aufregenden beruflichen Werdegangs von Karoline Herr (31) kann man daran eine Konstanz erkennen: das Interesse an Ästhetik, Design, gutem Handwerk sowie Dekorativem. Das macht die Wahl-Münchnerin spannend und lässt sie angenehm aus dem Modeblogger-Universum hervorstechen.  

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Als „Frollein Herr“ liefert sie seit 2018 auf ihrem Blog Inspirationen zu Mode, Beauty und Interior und entführt mit ihrem liebevoll kuratierten Instagram-Account in eine pastellige Traumwelt. Für MYBESTBRANDS zeigt Karoline Herr im Format „1 Trend, 3 Looks“, wie sie den Metallics-Trend festlich stylt. Zeit für ein Interview blieb danach auch noch.

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MYBESTBRANDS: Literatur-Studium, Modeatelier, Redakteurin und jetzt Beauty- und Mode-Bloggerin - wie hat dich dein beruflicher Werdegang modisch beeinflusst?

Karoline Herr: So kitschig das jetzt auch klingen mag, aber ich habe schon als kleines Mädchen gewusst, dass ich später mit Mode und Design arbeiten möchte.

Als Vierjährige habe ich zum Beispiel im Optikerladens meines Patenonkels Brillengestelle mit Nagellack „verschönert“. Ich hatte auch als kleines Mädchen immer eine Handtasche und trug immer schöne Kleidchen. 

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Während meines Literaturstudiums in Augsburg war ich sicherlich am modisch unmutigsten. 2017 habe ich meinen Job als Redakteurin hier in München gekündigt und mich mit dem Blog 2018 selbstständig gemacht.

Seitdem bin ich auch modisch noch mal wesentlich freier geworden, was meinen Stil angeht. Ich muss mich nicht mehr in einen typischen Büro-Look kleiden, kann viel spielerischer an die Sache rangehen.

Wie sieht denn ein typischer Büro-Look für dich aus?

Der muss für mich von morgens bis abends funktionieren - bequemes Schuhwerk ist mir dann ganz wichtig. Vielleicht eine Hose oder ein Rock, die nicht kneifen und beim Sitzen keine Falten werfen. Ansonsten ist alles erlaubt, da gibt es für mich keine Regeln.

Mode muss mir Spaß machen, das ist ein Sahnehäubchen-Thema. Mode rettet kein Leben, aber es bewegt uns trotzdem jeden Tag. Mode muss mich nicht immer schöner machen. Mode kann zum Beispiel jemanden auch mal nur interessant machen. Dieser typische „Ich gefalle einem Mann“-Look interessiert mich schon lange nicht mehr.

Deine Looks spielen mit Silhouetten und Materialien, du trägst gerne Pastellfarben, aber auch mal Neon. Wie würdest du selbst deinen Stil bezeichnen?

Ich stecke meinen Stil und mein ästhetisches Empfinden ungern in Schubladen. Ich liebe die Abwechslung. Von immer gleichen Looks und Stilen bin ich schnell gelangweilt und deshalb probiere ich auch fast alles aus. Von lässig bis elegant geht bei mir alles. Als „chic“ im klassischen Sinne würde ich mich allerdings nicht beschreiben. Und: Ich habe eine offensichtliche Schwäche für Pastellfarben.

Inwiefern spiegelt dein Stil deine Persönlichkeit wider?

Ich bin jemand, der Neues erstmal ablehnt, bin aber trotzdem neugierig und sehr offen. Ich bin zwar ein introvertierter Typ, der viel Me-Time benötigt, bin in Gesellschaft aber auch ein sehr sozialer Mensch.

Ästhetik ist mir sehr wichtig und hierzu hole ich mir Inspiration bei Serien wie „Man Man“ oder „Downtown Abbey“ oder auch „Beverly Hills 90210“. Alexa Chung oder Sienna Miller haben mich früher mit ihrem Boho-Look inspiriert, heute finde ich Pernille Teisbaek und viele dänische Bloggerinnen toll.  

Gibt es einen Unterschied zwischen der Karoline, die sich auf Instagram präsentiert und der Karoline, die abends auf der Couch vor dem Fernseher sitzt?

Natürlich gibt es Szenerien, die ich ganz bewusst so nur für Instagram fotografiere. Ganz oft sind die abgebildeten Looks aber wirklich die Outfits, in denen ich tatsächlich rumlaufe. Ich verkleide mich nicht!

Aber sobald ich zu Hause bin, ziehe ich mir immer einen Schlafanzug oder eine Jogginghose an, weil ich zu Hause keine Jeans tragen mag, da darf nichts zwicken oder mich einschnüren. Aber auch, weil ich meine Kleidung schonen will.

Ein Blick in die Zukunft: Das Frollein ist älter geworden. Wie sieht dein Look in zehn Jahren aus? Und wie sieht eine Oma Herr aus?

In zehn Jahren sehe ich hoffentlich noch genauso aus wie jetzt. Aber als Seniorin, das wird toll! Ich werde eine von diesen älteren Frauen sein, die immer over-pretzelt ist. Eine feine, ältere Dame. Definitiv lange, weiße Haare, offen oder mit Zopf. Auf jeden Fall mit Haarreif. Viel Schmuck. Immer noch pinkfarbene Lippen und manikürte Nägel. Und mit meiner Chanel-Tasche.

Zurück ins Jetzt: Was steht aktuell auf deiner Shopping-Liste? Welche Teile sind jetzt deine Must-haves?

Ein definitives Must-have sind derzeit für mich maskuline Mäntel mit Schulterpolster. Dann immer noch strukturierte oder gepuffte Ärmel, chunky Boots sind ein großes Thema. Und ganz neu habe ich die so genannten "Slouchy Jeans" mit engem High Waist, weitem Bein und schmalem Bündchen für mich entdeckt.

Karolines aktuelle Mode-Must-haves:

Morgens Bäcker, mittags Job-Interview, nachmittags Shopping-Bummel, abends Event: Gibt es einen Look, der alles kann?  

Diese Blazer-Sneakers-Bluse-Jeans-Kombi geht schon immer. Aber ich gehe auch mal morgens im Paillettenkleidchen zum Bäcker und abends in Sneakers auf ein Event.

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Trend Glamourous Metallic – wie stylst du ihn auf „Frollein"-Art?

Den Bruch von Metallics mit einem Strickteil finde ich spannend. Oder auch in Kombination mit Pastell oder leichten Mustern, so dass es das Futuristische des Metalls bricht.

Was für mich bei allen festiven Looks wichtig ist, dass sie auch im Winter warm sind. Also zum Beispiel muss ein Silvester-Look für mich draußen tragbar sein, ohne dass ich friere.

Der Look muss dann auch mit einem Blazer, einem Mantel oder Schal funktionieren und stimmig aussehen.

Unbeschränktes Budget – welches Teil würdest du dir bei MYBESTBRANDS kaufen und dir damit einen lang gehegten Mode-Traum erfüllen?

Wenn der Preis absolut keine Rolle spielt, dann würde ich mir definitiv eine Tasche des italienischen Labels Bottega Veneta aussuchen. Die Brand und insbesondere die neuen Designs von Daniel Lee sind klassisch, elegant und dennoch unfassbar zeitgemäß. Das Design ist on point und der Haben-Wollen-Faktor bei mir ganz weit oben.

Entdecken Sie im Video: Karoline Herr stylt "Metallics - 1 Trend, 3 Looks":