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Persona
Green Fashion
Moderne Kleidung, und das zu unschlagbar günstigen Preisen –
Julia, die in Sachen Mode immer auf dem neuesten Stand ist, kommt dies beim Shoppen sehr gelegen.
DOCH MOMENT MAL:

Wie kann es eigentlich sein, dass Shirts, Röcke und Co.
zu solch niedrigen Preisen erhältlich sind?

Julia hinterfragt die Niedrigpreisstrategie der Discounter und macht sich auf
die Suche nach Antworten auf die Frage, welche Alternativen es zu „herkömmlicher“ Mode gibt und inwiefern sich diese von Green Fashion unterscheidet.
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REISE eines

DISCOUNT SHIRTS

Weltkarte
USA Popup
  • Ernte verbraucht große Menge an Ressourcen (Wasser und Erdöl)
  • Handelsbeziehungen sind nicht kostendeckend
  • Chemikalien- und Pestizideinsatz führt zu gesundheitlichen Problemen
  • Einsatz von genmanipuliertem Saatgut
Ziel China
China Popup
Ziel Philippinen
Philippinen Popup
Ziel Bangladesch
Bangladesch Popup
  • Verarbeitung mithilfe von Textil-
    chemikalien, die die Gesundheit gefährden und der Umwelt schaden
  • Arbeiter werden für exzessive Überstunden nur minimal entlohnt
  • Arbeitsschutzmaßnahmen sind nicht ausreichend vorhanden
Ziel Deutschland
Deutschland Popup
  • Chemikalien im Produkt können negative gesundheitliche Folgen haben
  • Energieverbrauch steigt durch das Reinigen und Trocknen der Produkte
  • Kurze Lebensdauer aufgrund geringer Qualität
Persona
Ein Discountshirt hat also eine unglaublich lange Reise hinter
sich, wenn es im Discounter auf dem Verkaufstisch liegt.

Julia fragt sich, ob es nicht einen anderen, umwelt- und
menschenfreundlicheren Produktionsweg von Kleidung gibt.

Dabei wird sie auf Green Fashion aufmerksam – die Herstellung von Kleidungsstücken,
die sowohl in Bezug auf das Produkt selbst sowie die Menschen, die es herstellen,
Rücksicht nimmt auf umweltschonende, faire Verfahren.

Doch was sind im Detail die Punkte, die für
Green Fashion sprechen?
Warum
Green Fashion
?
ÖKO-
LOGISCH,
BIO-
Logisch!
Ökologisch
Der Fokus wird auf die Unversehrtheit von Mensch und Natur gelegt. So wird auf Chemikalien wie Pestizide und Insektizide verzichtet. Lösungsmittelbasierte Farben werden nicht eingesetzt, außerdem wird beispielswiese bei der Herstellung von Jeans auf das Sandstrahlen – ein Verfahren, das für die Arbeiter tödlich sein kann – verzichtet.
Der Nachhaltigkeitsgedanke spielt während
des gesamten Herstellungsprozesses eine
wesentliche Rolle. Nachwachsende Rohstoffe
sind ein Kriterium der Green Fashion, ebenso
das Gewinnen tierischer Produkte aus
Tierhaltung nach bio- und ökologischen
Grundsätzen.Ökologie, Ökonomie und Soziale
Werte stehen beim Nachhaltigkeitsgedanken
gleichermaßenim Fokus.
Nachhaltig
NACH-
Haltig
ENERGIE-
und
RESSOURCEN-
schonend!
Energie und Ressourcen
So wenig wie möglich, so viel wie nötig – das ist der
Grundsatz von Green Fashion. Mit Ressourcen wird
schonend umgegangen, es werden nachwachsende
Rohstoffe verwendet. Beider Produktion wird darauf
geachtet, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen.
So werden bei einem Green-Fashion-Shirt etwa
3,09kg CO2 verbraucht, und damit 10kg weniger als
beieinem Discountshirt. Der größte Unterschied
zwischen Green Fashion und „normaler“ Mode
liegt im Anbau der Materialien, denn während beim
Öko-Shirt kein CO2 produziert wird, verursacht der
Einsatz von Dünger und Pestiziden bei einem
„normalen“ Shirtbis zu 9kg CO2.
Die Begriffe „Fair Trade“ und „ökologisch“ hängen
nicht automatisch zusammen. Wer als oökologisch
produziert, berücksichtigt nicht selbstverständlich
auch die Kriterien des Fair Trade.
Fair Trade rückt den Menschen in den Fokus:
Die Arbeiter erhalten für die gehandelten
Produkte einen festgelegten Mindestlohn, der
ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht.
Faire Bezahlung und faire Behandlung der Arbeiter,
das Verbot von Kinderarbeit, feste wöchentliche
Arbeitszeiten, Arbeitsschutz sowie soziale Absicherung
sind die Hauptkriterien des Fair Trade.
Fair Trade
FAIR
TRADE
RE-
CYCLE
-bar
Recyclebar
Das Prinzip der Entsorgung spielt eine
wesentliche Rolle bei der Green Fashion.
So können beispielsweise Kleidungsstücke,
die nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip hergestellt
werden, rückstandslos verrotten.
Materialien werden immer wieder zu Rohstoffen
für neue Produkte verwendet. Viele Modemacher widmen sich mittlerweile dem sogenannten Upcycling:
Alte, ausgediente Kleidungsstücke werden aufgewertet
und zu angesagten Lieblingsstücken gemacht.
Die Entwicklung der
Green Fashion
Sieht
DAS
SCHÖN

aus?
SO kann
GREEN

FASHION
aussehen!
Green Fashion früher
Green Fashion heute
FRÜHER
HEUTE
Nachlässig
wirkender
Look
Langweilige Farben
und Schnitte

(Fade Beige- und
Braun-töne; weite
unförmige Schnitte)
Unangenehmes,
kratziges
Tragegefühl
Modern
und im Trend
Wird auf Fashionshows
wie der Ethical Fashion Show
Berlin oder dem Green
Showroom präsentiert
Umdenken in den Köpfen
der Verbraucher findet statt:
Nachhaltigkeit & Fair Trade
gewinnen mehr und mehr an
Bedeutung
Ein komplettes
Green Fashion
Outfit
Outfit
Leggins
Kleid
Kleid
Gürtel
Stiefel
Cardigan
Cardigan
LEGGINS
€ 32,00
KLEID
€ 49,99
GÜRTEL
€ 39,81
LEDERSCHUHE
€ 169,95
CARDIGAN
€ 69,99
Green Fashion Labels
Green Fashion Labels
Grünes MATERIAL
Baumwolle

Baumwolle

  • Sehr widerstandsfähig, daher langlebig
  • Gut zu färben
  • Antiallergen
  • Atmungsaktiv
  • Feuchtigkeitsaufnehmend
  • Wärmende Wirkung
  • Geringe Elastizität
Wolle

Wolle

  • Temperaturausgleichend
  • Atmungsaktiv
  • Feuchtigkeitsaufnehmend
  • Pflegeleicht
  • Knitterfrei
  • Schmutz- & wasserabweisend
Leinen

Leinen

  • Schmutzabweisend
  • Reißfest (Festigkeit)
  • Antistatisch
  • Hohe Luftdurchlässigkeit
    (kühles Tragegefühl)
  • Hohe hygienische Eigenschaften
Hanfgarn

Hanfgarn

  • Besonders weich und glatt
  • Große (Nass-)Festigkeit
  • Kühles Tragegefühl
  • Saugt Schweiß gut auf & trocknet
    schnell wieder
  • Antistatisch
  • Staubabweisend
  • Hitzebeständig
  • Antimikrobiell
Seide

Seide

  • Leicht und bequem
  • Gute Isolation (warm im Winter, kühl im Sommer)
  • Schimmert & glänzt
  • Nimmt Farbstoffe gut auf
  • Weiches Tragegefühl
Grüne
Weiterverarbeitung
Persona Julia informiert
sich über die grüne
Weiterverarbeitung
Näherin
Durch Gerbeprozesse wird die Umwelt mit Schwermetall belastet. Leder kann auch pflanzlich ohne Chrom gegerbt werden, dann benötigt der Prozess allerdings umso mehr Wasser.

Tipp: Kunstleder kann eine gute und grüne Alternative sein!
Die natürlichsten Fasern machen noch keine grüne Mode, wenn mit ihnen verschwenderisch umgegangen wird. Daher nutzen einige Designer auch ihre Stoffrestefür die Produktion.
Aus Alt mach Neu: immer mehr Hersteller schaffen aus ausgedienten Produkten neue Kreationen. Sogenanntes Upcycling verwandelt vermeintlich nicht mehr zugebrauchende Sachen in tolle, „neue“ Designerstücke.
Letztlich entscheidest du selbst, wie grün deine Mode und dein Shopping-verhaltenwirklich sind.
Tipp: Veranstalte doch mal eine Kleidertauschparty! Das ist genauso spannend wie Shoppen, schont aber Umwelt und Geldbeutel.
Grüner
Handel
Strasse
Laster
Aus welchem Land die Klamotte zu dir kommt, beeinflusst maßgeblich ihre Ökobilanz. Lange Transportwege
sind immer ein Nachteil. Keine Sorge: Viele tolle Labels produzieren in Deutschland selbst. Gerade bei Produkten aus
dem Ausland ist es besonders wichtig, auf die Ökobilanz zu achten. Deutschland ist beim Import ein echter
Klimasünder, während im Inland vergleichsweise wenige Schadstoffe produziert werden.

Aber Vorsicht: Abwägen ist angesagt! Wer „nur“ auf die Ökobilanz beim Transport schaut,
vernachlässigt vielleicht wichtige nachhaltige Projekte in Schwellen- und Entwicklungsländern.
Wie erkenne ich
Green Fashion
?
Tafel
Vorher informieren
Green Fashion unterstützen – aber richtig.
Deshalb sollte vorab in Erfahrung
gebracht werden, ob es dem Label
lediglich um eine Steigerung des Images
geht oder tatsächlich um faire soziale
und umweltverträgliche Bedingungen?
Nicht von
Marketingstrategie
blenden lassen
Teure Preise und aufwändige
Werbekampagnen sagen
nichts über den ökologischen
oder sozialen Status aus
QUALITÄT STATT QUANTITÄT
Am besten ist, so wenig Kleidung
wie möglich einzukaufen –
das schont nebenbei auch den
Geldbeutel. Wer qualitativ
hochwertige Textilien besitzt,
muss diese auch nicht so oft
ersetzen, wie das bei qualitativ
minderwertigen Kleidungsstücken
der Fall ist.
Und: Der Kauf von Second-Hand-
Klamotten wirkt sich positiv auf die
Ökobilanz aus.
Gezielt fragen
Gezielt nach Produkten
fragen, die umweltfreundlich
und sozial gerecht erstellt
wurden
Etikett
Vorsicht: Das Etikett alleine gibt noch keine vollständige Auskunft darüber, wie „grün“ einKleidungsstück wirklich ist. So sind
beispielsweise Chemikalien, die beim Anbau oder in der Weiterverarbeitung eingesetzt wurden, nicht kennzeichnungspflichtig!
HELLE FARBEN
Helle und naturfarbene Textilien bevorzugen, diese haben
weniger Farbstoffe
Vermeiden: • Textilien mit Pflegehinweis „separat waschen“
oder „fade out“ meist lose Farbstoffe
• „bügelfrei“, „schmutzabweisend“, „antibakteriell“ Hinweis
auf weitere umwelt- und gesundheits-belastende Chemikalien
Kritisch sein
Viele Öko-Labels
• sind von Herstellern selbst zu solchen
ernannt worden
• werden nicht unabhängig kontrolliert
• haben geringe Standards
Also: genau hinschauen & nachfragen!
Persona
Zertifizierung & Siegel
GOTS
(Global Organic Textile Standart)

• Strenge, umweltbewusste und soziale Kriterien
bei der Textilherstellung

• Fokus auf geringem Wasserverbrauch, verminderter
Bodenbelastung, fairen Löhnen und anderen sozialen
Standards in Fabriken und Produktionsstätten

Global Organic
Blauer Engel
BLAUER ENGEL

• Strenge, umweltbewusste und soziale Kriterien
bei der Textilherstellung

• Fokus auf geringem Wasserverbrauch, verminderter
Bodenbelastung, fairen Löhnen und anderen sozialen
Standards in Fabriken und Produktionsstätten

FAIR TRADE

• Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte auf
Grundlage von Lizenzverträgen

• Unabhängige Siegelinitiative, handelt nicht selbst mit Waren

• Standards entsprechen den internationalen Standards der Fair-
trade Labelling Organizations International (FLO)

FAIR TRADE
Global Recycle
GRS (Produktzertifikat
Global Recycling Standard)

• Kennzeichnet Textilien, die aus
Recycling-Textilien bestehen

• Vor allem wichtig für Einzelhändler
und Verbraucher, um zu wissen,
welche Teile der spezifischen Produkte
aus recycelten Materialien bestehen
und wie diese verarbeitet werden

Nature Textil
BEST

• Derzeit Standard mit den höchsten
Ansprüchen an textile Ökologie; Standard
liegt weit über EU-Gesetzgebung

• Bildet gesamte textile Produktionskette
ab, sowohl in ökologischer als auch in
sozial-verantwortlicher Hinsicht – Beispiel:
Betrieb muss über eine gewisse Umweltpolicy
verfügen, Stoffe (eigentliches Gewebe)
müssen zu 100 Prozent aus Naturfasern
sein, die aus kontrolliert biologischem
Anbau (kbA) oder kontrolliert biologischer
Tierhaltung (kbT) stammen

INTERVIEWS
Sabine Müller
Drei Fragen an ...
... Sabine Lydia Müller
1. Vorstand bei dasselbe in grün e.V – Verband der nachhaltigen Unternehmen und Pressesprecherin der Internationalen Fachmesse für nachhaltige Textilien (INNATEX)

Frau Müller, welches Image hat Green Fashion Ihrer Erfahrung nach?
Sind negativ behaftete Ansichten in Bezug auf Farben, Schnitte, Tragekomfort etc. noch fest in den Köpfen
der Verbraucher verankert oder hat sich das Bild der Green Fashion gewandelt?

In meinen Augen hat auf diesem Gebiet tatsächlich ein Imagewechsel stattgefunden. Dies hat nicht zuletzt damit zu tun, dass prominente Menschen versuchen, die Bedeutung der Themen Nachhaltigkeit und Green Fashion zu transportieren. Beispielsweise hat Pharrell William kürzlich eine „ocean plastic collection" lanciert. Das sind zwar nicht immer die absolut nachhaltigsten Projekte, aber sie helfen der Branche garantiert dabei, das Image von Green Fashion zu verbessern und mit verstaubten Klischees aufzuräumen. Seit sich prominente Menschen in diesem Bereich engagieren, hat wirklich jeder verstanden, dass Green Fashion ein aktuelles Thema ist.Die Vorteile nachhaltiger Mode sind offensichtlich. Ein wesentlicher Punkt ist, mit dem Kauf eines grünen Kleidungsstücks nicht nur sich selbst, sondern auch seiner Mitwelt einen Gefallen zu tun. Es wird zunehmend wichtiger, auch bei Mode auf Produktionsbedingungen und Umweltverträglichkeit zu achten. Nach Bio-Lebensmitteln und Bio-Kosmetik überzeugt nun auch Kleidung mit dem Mehrwert Schadstofffreiheit die Konsumenten.

Welches Potenzial hat Green Fashion in Ihren Augen in der Zukunft?

Ich beobachte seit Jahren ein stetiges Wachstum im Bereich der nachhaltigen Mode. Mittlerweile kaufen auch markentreue, gut situierte Menschen gerne Kleidungsstücke mit ökologisch-sozialem Hintergrund. Green Fashion ist nicht nur nachhaltig, sondern auch spannend: Welches tolle Projekt unterstütze ich mit dem Kauf meines Kleidungsstückes, welche umweltfreundlichen, neuen Fasern wurden verarbeitet, welcher Green-Fashion-Designer hat es kreiert? Grüne Mode ist zukunftsträchtig, innovativ und revolutionär.

Welche Green-Fashion-Projekte begeistern Sie?

Ich bin ein großer Fan von Upcycling. Zum Beispiel trage ich sehr gerne die alten Abendkleider, Mäntel und Blusen meiner Großmutter auf. Wem die Kleider von Verwandten nicht passen, empfehle ich Kleidertausch-Partys. Diese kann man auch schnell mal unter Freundinnen organisieren. Im Green-Fashion-Bereich entdecke ich immer mehr neue, sehr innovative Materialien – von fast vergessenen robusten Naturfasern wie Hanf über ressourcenschonende Regeneratfasern aus Holz bis hin zu weiteren Exoten aus überschüssigem Milchprotein oder PET-Flaschen. Ich schaue gespannt in die Zukunft!

Lena Reiner
Lena Reiner
Journalistin und Fotografin sowie Aktivistin in den Bereichen Nachhaltigkeit und Fair Trade, über Entwicklung, Bedeutung und Zukunftsaussicht von Green Fashion

Die Gesellschaft beginnt zunehmend damit, nachhaltig zu denken. Wird auch Green Fashion im Zuge dieses Nachhaltigkeitsgedankens immer wichtiger?

Definitiv. Das wird beispielsweise beim Gang in größere Innenstädte oder dem Stöbern in Onlineshops deutlich. Sogar bei den ganz Großen gibt es inzwischen grüne Mode mit extra Kennzeichnung. In meinen Augen ist Green Fashion ein fester Bestandteil des Nachhaltigkeitsgedankens. Wir achten darauf, was wir essen, möchten keine Giftstoffe in uns aufnehmen und unserem Körper Gutes tun. Dasselbe erreichen wir auch mit Green Fashion: Mit unserer Kleidung sind wir ständig in Berührung. Allein deshalb befassen sich viele Verbraucher mit Giftstoffen in ihren Klamotten – und landen so fast zwangsläufig bei grüner Mode.

Wie schwer ist der Umstieg einer Marke auf Green Fashion? Welche Maßnahmen sind hierzu notwendig?

Pauschal lässt sich schwer sagen, wie viel Aufwand es für ein Unternehmen ist, auf Green Fashion umzusteigen. Schließlich gibt es auch viele Produzenten, die sich in einem Grenzbereich bewegen, der zwar nicht so richtig „öko“ ist, aber doch deutlich nachhaltiger als der Durchschnitt. Es gibt auch Hersteller, die allen Outsourcingtrends zum Trotz in Deutschland geblieben sind mit ihrer Produktion und allein dadurch an sehr strenge Gesetze gebunden sind, was die Umweltbelastung durch ihre Fabriken angeht. Solchen Firmen fällt die Umstellung mit Sicherheit relativ leicht.

Der typische Modemacher hingegen, der billig in Bangladesh produzieren lässt, wird in einem hohen Maße umdenken und vor allem umorganisieren sowie anders rechnen müssen. Schließlich beinhaltet Green Fashion im Idealfall einen ganzheitlichen Ansatz: Die Lieferanten müssen ins Konzept passen, genauso die Verarbeitung und – wenn es perfekt läuft – auch die Lieferung, sprich der Weg zum Wiederverkäufer oder Endverbraucher (im Falle von Onlineshops). Man muss sich hier über andere Färbemethoden informieren, über Stoffzusammensetzungen und alternative Fasern – beispielsweise ist Baumwolle nicht sonderlich ökologisch, wenn man die Unmengen von Wasser betrachtet, die im Anbau nötig sind. Am besten sollte auch ein regionaler Produzent gesucht werden, um die Transportwege kurz zu halten und die Umweltstandards tatsächlich im Auge behalten zu können. All dies ist ein komplexer Prozess, der nicht von heute auf morgen realisiert werden kann. Dennoch: Green Fashion – am besten Hand in Hand gehend mit Fair Traide – ist unser Morgen. Und bei guten Dingen darf auch ein bisschen Zeit eingefordert werden, um sie umzusetzen.

Magdalena Schaffrin
Drei Fragen an ...
... MAGDALENA SCHAFFRIN
Designerin und Mitgründerin des Greenshowroom

Frau Schaffrin, was sind in Ihren Augen die Herausforderungen der Green Fashion?

Grüne Mode hat bereits eine lange Geschichte, in Deutschland und auch international. Es gibt seitden Siebzigern Vorreiter der Bewegung – Firmen, die sich mittlerweile längst am Markt etabliert haben. Seit Anfang 2000 gibt es eine zweite grüne Welle, in der Designer neue Brands gegründet haben, mit dem Fokus auf Design und Stil der Kollektionen. Hier hat sich der Blickwinkel gedreht: vom Fokus auf der Lieferkette hin zur Kollektion – also in erster Linie chic und selbstverständlich grün. Inzwischen werden auch bei den großen Labels Bemühungen gesehen, die Lieferkette besser zu kontrollieren und nachhaltigere Stoffe bei der Herstellung der Kollektionen einzusetzen. Spätestens seit dem Unglück von Rana Plaza kommt kaum ein Unternehmen noch daran vorbei, sich mit den sozialen Kriterien in der Lieferkette zu befassen. Trotzdem ist es für Konsumenten immer noch nicht einfach, grüne Mode zu kaufen. In den Shops gibt es verhältnismäßig wenig nachhaltige Kleidung, außerdem fehlt vielen Verkäufern das Wissen, um Konsumenten nachhaltige Mode zu erklären.

Die Gesellschaft beginnt zunehmend damit, grün zu denken. Wird auch Green Fashion im Zuge dieses Nach-
haltigkeitsgedankens immer wichtiger? Welches Potenzial hat Green Fashion in Ihren Augen in der Zukunft?

Die oben grob skizzierte Entwicklung von grüner Mode zeigt, dass sich das Bewusstsein in der Gesellschaft in Bezug auf Nachhaltigkeit verändert hat. Die Konsumenten fragen nun auch danach, wie die Kleidung hergestellt wurde und unter welchen Bedingungen die Arbeiterinnen genäht haben. Ähnlich wie bei der Entwicklung der Biobranche in den Bereichen Food und Kosmetik schätzen Experten, dass sich dieser Trend auch in der Mode fortsetzt. Internationale Bewegungen wie der Fashion Revolution Day, der in über 100 Ländern stattgefunden hat, zeigen, dass es sich hierbei nicht nur um eine nationale oder europäische Entwicklung handelt, sondern um eine globale. Green Fashion wird immer wichtiger, das Zukunftspotenzial ist groß und bezieht sich im Grunde genommen auf die gesamte konventionelle Modebranche. Ich bin eine unerschütterliche Optimistin und glaube daran, dass sich die Produktionsmethoden ändern werden und sich diese Veränderung mithilfe der Unternehmen, der Politik, der NGOs und der Konsumenten durch die ganze Branche ziehen wird.

Welche Green-Fashion-Projekte begeistern beziehungsweise unterstützen Sie derzeit?

Momentan unterstütze ich die Messe Frankfurt als Creative Director bei der Organisation der Messen Greenshowroom und Ethical Fashion Show Berlin – zwei Messen für nachhaltige Mode. Beide Veranstaltungen zeigen während der Berlin Fashion Week nachhaltige Kollektionen aus den Segmenten Casual und Sreetwear sowie High-Fashion. Die meisten der ausstellenden Designer begeistern mich aus unterschiedlichen Gründen. Teils, weil sie einfach so tolle Mode machen, teils, weil sie innovative Materialien entwickeln oder wirklich gute soziale Projekte auf die Beine stellen und mit ihren Unternehmen verbinden. Dort ist deutlich sichtbar, wie Unternehmertum positiven Einfluss auf die Menschen haben kann. Und darum geht es ja am Ende: dass eben auch die Menschen, die in den Produktionsländern die Kleidung und Stoffe fertigen, ihr Recht auf gutes Leben ausüben können.

Neben den Messen engagiere ich mich für den Fashion Revolution Day in Deutschland und berate derzeit Manufactum, ihr Sortiment grüner zu gestalten.

IVN

Hinweis des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft e.V.
zum Thema Chemikalien

Für ein Green-Fashion-Shirt sollten gar keine oder nur stark begrenzt gesundheits- oder umweltschädliche Chemikalien im Produktionsprozess eingesetzt werden. Ein Green-Fashion-Shirt sollte auch schadstoffgeprüft sein, zur Sicherheit für den Verbraucher. Chemikalien, die nicht eingesetzt werden dürfen, und die Grenzwerte für den Einsatz von Chemikalien können den Richtlinien für den Global Organic Textile Standard (GOTS) und Naturtextil IVN zertifiziert BEST (IVN BEST) entnommen werden.

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